Die Funde verkohlter Pflanzenreste in Slawensiedlungen aus dem 6. und 7. Jh.
zeugen davon, dass sich die Bevölkerung vor allem mit dem Getreidebau befasste.
Die Slawen pflanzten Weizen, Gerste, Roggen, Hafer und Hirse. Sie kannten aber
auch Hülsenfrüchte wie Erbsen und Linsen. Ebenso wurde Hanf angebaut. Jegliche
Spuren fehlen von einem Gemüseanbau.
Das Vorkommen von anspruchvollerem Weizen und von Ochsenknochen zeugt von
Ackerwirtschaft, wobei die Ochsen als Zugtiere dienten. Der Ackerbau wurde als Drieschen–Wirtschaft betrieben, bei der ein Teil der Felder mehr als ein Jahr
lang brach lag. Der Boden wurde in natürlicher Weise durch die Viehweide auf der
Driesche, sowie durch Asche von verbrannten Stoppeln gedüngt. Auch der Wildwuchs
auf der Driesche musste mitunter verbrannt werden. Im Übrigen wurden die
Brandrodungen zur Anlage neuer Siedlungen und zur Gewinnung von neuem Boden
angewendet.
Einen sehr wichtigen Teil der altslawischen Wirtschaft bildete die Viehzucht.
Ohne große Viehherden die Nahrung boten und dem Einsatz von Tieren als Zugkraft
zum Transport der Vorräte und sehr bescheidenen Habseligkeiten, wären die großen
Expansionsbewegungen der slawischen Stämme zur Zeit der Völkerwanderung nicht
möglich gewesen. Die Viehzucht war aber nicht die wichtigste, sondern eine
ergänzende Nahrungsquelle.
Darin unterschieden sich die Slawen von den nomadisierenden Hirtenstämmen,
wie es die Hunnen, Awaren und die Magyaren waren. Den Knochenfunden ist zu
entnehmen, dass vor allem Rindvieh gehalten wurde. Dann folgte das Schwein und
später Schafe und Ziegen. Weiters das Haushuhn und Wildhühner. Der Rest der
gefundenen Knochen entfiel auf Pferde, Hunde und Jagdwild. Später auch auf
Katzen und seltener auf Eseln.
Im 8. - 9. Jh. machte sich die größere Menge und der bessere Zustand der
Werkzeuge bemerkbar. Sie bewirkten eine erhebliche Verbesserung der
Produktionstechnik und dadurch eine Intensivierung der Produktion. Davon zeugen
die aufgefundenen Gegenstände und das dichtere Netz ständiger Wohnsiedlungen.
Diese Entwicklung steht im deutlichen Einklang mit dem gesellschaftlichen
Wandel, der zur Gründung der ersten Slawenstaaten führte. Über die Form der
landwirtschaftlichen Geräte unterrichten Funde, bei denen es sich teilweise um
Verstecke von Landwirten in schweren Zeiten und einzelne Gegenstände in
Wohnsiedlungen handelt, aber auch um vermutlich von Kaufleuten verlassenen
Depots.
Zur Bodenbearbeitung wurde vor allem ein mit kleinen Eisenscharen versehener
Hakenpflug benutzt, der sich aber nur zur Bildung von flachen Furchen eignete.
Nur ausnahmsweise wurden größere Pflugscharen benützt, die tiefere Furchen
ermöglichten. Bei der Getreideernte bedienten sich die alten Slawen der Sichel.
Mit ihr wurden nur die mit der Hand ergriffenen Ähren abgeschnitten. Der Vorteil
dieser mühsamen Arbeit war ein geringer Kornverlust. Das Stroh blieb auf dem
Feld und wurde verbrannt oder in den Boden eingebracht. Die Sense war schon im
8. Jh. bekannt, diente aber nur zur Heumahd. Das Getreide wurde mit Flegeln
gedroschen.
Auch der Obstbau wurde nicht vernachlässigt. Über die meisten Obstarten wird
man erst durch mittelalterliche Funde informiert, aber schon in
Schichten aus dem 9. Jh. findet man Pfirsich- und Pflaumensteine, sowie Schalen
von Walnüssen. Dass die Slawen auch Bienen züchteten, wird aus ihrer Vorliebe
für Met geschlossen. Allerdings gibt es dafür keine archäologischen Nachweise. |