Die beiden großen südslawischen Feudalstaaten hatten den Höhepunkt ihrer
Macht überschritten und waren innerlich zerstritten, als die Osmanen das
Byzantinische Reich auf dem Balkan immer stärker angriffen. Da die Byzantiner zu
sehr von ihren eigenen Problemen in Anspruch genommen waren, hatten sie der
Expansion des Osmanischen Reiches in Kleinasien im 13. und 14. Jh. nicht
allzuviel Aufmerksamkeit gewidmet. Die Osmanen nutzten diese Situation aus. Sie
verlegten die Hauptstadt ihres Staates über die Dardanellen nach Adrianopel, dem
heutigen Edirne und wurden dadurch eine europäische Macht.
Jetzt nutzten sie die Schwäche und Rivalitäten der südslawischen
Feudalstaaten noch intensiver aus. Immer häufiger unternahmen die straff
organisierten Osmanen auf der Balkanhalbinsel erfolgreiche Kriegszüge. Das
entscheidende Ereignis jedoch, die Schlacht auf dem AMSELFELD (KOSOVO POLJE) bei
Pristina am 28. Juni 1389, war für das Schicksal der christlichen Bevölkerung
auf dem Balkan für viele Jahrhunderte bestimmend. An diesem Tag schlug die
osmanische Armee unter Führung von Sultan Murad das vereinigte christliche Heer
der Serben, Bulgaren, Bosniaken und Albaner unter ihrem Führer dem
nordserbischen Fürsten Lazar. Sowohl Sultan Murad, als auch Fürst Lazar wurden
in der Schlacht getötet.
Die Bedeutung dieser Schlacht wurde von den Beteiligten und den Zeitgenossen
nicht sofort erkannt, zumal sich die osmanischen Truppen nach dem Tode ihres
Sultans zunächst zurückzogen. Erst die folgenden Ereignisse machten deutlich,
dass dies nicht eine Schlacht wie viele andere gewesen war, sondern wie kaum ein
anderes Geschehen in der Geschichte ganz Südosteuropas bis in unser Jahrhundert
veränderte. In der Folge vermischten sich bei den Darstellungen dieser Schlacht
die historischen Fakten mit Legenden, die vor allem in epischen Liedern über die
Jahrhunderte weitergegeben wurden.
Die besonderen Umstände der Schlacht und das grausame Ende der beiden
Heerführer ließen die Einbildungskraft der Völker nicht ruhen. Man bemühte sich,
nach außergewöhnlichen Erklärungen zu suchen.
Als besonders außergewöhnlich war dabei die Ermordung des Sultan Murad nach
der Schlacht durch den serbischen Ritter Milos Obilic. Die osmanische
Heeresführung verlor in dieser Situation nämlich nicht die Nerven, sondern
bestimmte sofort einen der beiden Söhnen des Sultans namens Baiazid zum
Nachfolger, während sie den anderen Sohn töten ließ. „ Sie stellten ihn damit
Allah zur Verfügung”, wie es in der türkischen Chronik vermerkt wurde.
In den südslawischen Völkern prägte sich dagegen der Ablauf der Schlacht und
die Namen ihrer Helden, besonders des makedonischen Prinzen Marko in das
Bewusstsein tief ein und wurde zur Legende, die von Generationen zu Generationen
überliefert wurde. Wachgehalten wurde in den erwähnten Epen und Legenden aber
nicht nur die Schlacht auf dem Amselfelde, sondern auch die Erinnerung an die
Größe des serbischen Reiches und die kulturellen Leistungen seines Volkes.
Für die Bewahrung des kulturellen Erbes und des nationalen Selbstbewusstseins
der Serben hatte auch die orthodoxe Kirche eine sehr wichtige Rolle übernommen.
Mit ihren zahlreichen Klöstern half sie mit, die folgenden Jahrhunderte unter
osmanischer Fremdherrschaft zu überstehen. |